Stand der Fakten: 06.11.2026. Dieser Beitrag ist Bildung, keine Anlageberatung.
Du hast gehört, dass ETFs „günstig“ sind. Aber was heißt das eigentlich in Euro und Cent? Und warum steht auf manchen Seiten „TER“, auf anderen „Tracking Difference“? In diesem Beitrag sortieren wir die Kostenarten, damit du beim nächsten Vergleich weißt, worauf du schaust. Wenn du gerade erst anfängst, lies parallel unseren Einstieg zum ETF-Sparplan.
Warum Kosten über Jahrzehnte zählen
Kosten fühlen sich klein an, weil sie nie als großer Betrag auf deinem Konto auftauchen. Sie stecken im Kurs. Dafür wirken sie jedes Jahr wieder, und zwar auf das ganze Vermögen, auch auf die Erträge der Vorjahre. Das ist der Zinseszins-Effekt, nur in die falsche Richtung.
Kostenart 1: Die TER (laufende Kosten im Fonds)
Die Total Expense Ratio (TER) ist die Gesamtkostenquote eines Fonds pro Jahr, in Prozent. Sie deckt unter anderem Verwaltung, Verwahrung, Indexlizenz und Prüfung ab. Wichtig: Du bekommst keine Rechnung. Die TER wird nicht separat abgebucht, sondern ist im Kurs des Fonds eingepreist.
Ein Beispiel zum Gefühl: Bei 0,20 % TER sind das 20 € pro Jahr auf 10.000 € Anlagesumme. Was ist „normal“? Breite Welt-ETFs liegen meist in einer Größenordnung von etwa 0,10 % bis 0,30 % pro Jahr, aktiv gemanagte Aktienfonds oft bei 1,2 % bis 2,5 %. Das sind Größenordnungen, keine festen Grenzwerte.
Ein Blick in eine Primärquelle bestätigt das: Im gesetzlich vorgeschriebenen Basisinformationsblatt (KID) eines breiten, weltweit anlegenden Index-ETFs stehen die laufenden Kosten mit 0,20 % pro Jahr, umgerechnet rund 20 € auf 10.000 € im ersten Jahr. Zusätzliche Transaktionskosten im Fonds werden dort mit 0,00 % pro Jahr geschätzt, Ein- oder Ausstiegsgebühren fallen keine an. Nicht in der TER enthalten sind also der Spread und die Entgelte deines Brokers – um die geht es gleich.
Kostenart 2: Spread und Handelskosten
Beim Kauf an der Börse gibt es zwei Kurse: den, zu dem jemand verkaufen will (Brief), und den, zu dem jemand kaufen will (Geld). Die Differenz ist der Spread. Du zahlst ihn praktisch beim Kauf und noch einmal beim Verkauf. Er ist kein Posten auf der Abrechnung, sondern steckt im Ausführungskurs.
Bei breiten, viel gehandelten Welt-ETFs ist der Spread in den Haupthandelszeiten meist am niedrigsten, wenn europäische und US-Händler gleichzeitig aktiv sind. Bei Sparplänen hast du auf den genauen Ausführungszeitpunkt ohnehin meist wenig Einfluss.
Kostenart 3: Depot-, Order- und Sparplankosten
Diese Kosten zahlst du nicht an den Fondsanbieter, sondern an deinen Broker.
- Ordergebühren: Neobroker verlangen oft 0 € bis 1 € pro Trade, Direktbanken teils einige Euro oder mehr, einige zusätzlich einen Prozentsatz des Ordervolumens.
- Sparplan-Ausführung: Viele Broker bieten Sparpläne ohne Ausführungsgebühr an, andere nehmen zum Beispiel einen Prozentsatz der Rate oder einen festen Betrag pro Ausführung.
- Depotgebühr: Klassische Jahresgebühren sind bei den meisten Online-Brokern kaum noch üblich.
Warum das wichtig ist: 1,50 € bei einem 100-€-Sparplan sind 1,5 % pro Ausführung. Das ist ein Vielfaches einer ETF-TER von 0,2 % pro Jahr. Bei kleinen Sparraten kann der Brokerpreis die Fondskosten also deutlich überholen – rechne die Gebühr daher immer in Prozent deiner Rate um.
Kostenart 4: Tracking Difference (was am Ende wirklich ankommt)
Die Tracking Difference ist der Unterschied zwischen der Rendite des ETFs und der Rendite seines Index über einen Zeitraum. Ein Beispiel: Steigt der Index um 7 % und der ETF um 6,9 %, beträgt die Tracking Difference 0,1 %. Sie erfasst mehr als die TER, zum Beispiel Handelskosten im Fonds oder Quellensteuern. Sie kann aber auch besser ausfallen als die TER, etwa durch Erträge aus Wertpapierleihe. Wichtig: Sie wird rückblickend berechnet und ist keine Garantie für die Zukunft.
Achtung bei den Vorzeichen: Manche Quellen geben „ETF schlechter als Index“ als positive, andere als negative Zahl an. Schau immer, wie die jeweilige Seite es definiert.
Tracking Difference vs. Tracking Error
Die beiden Begriffe werden oft verwechselt. Einfach gesagt: Die Tracking Difference ist die Abweichung selbst (im Plus oder Minus). Der Tracking Error misst, wie stark diese Abweichung schwankt – vereinfacht die Streuung der Renditeabweichungen von ETF und Index. Ein kleiner Tracking Error heißt: Der ETF bildet den Index gleichmäßig ab. Wie viel am Ende fehlt oder dazukommt, sagt dir dagegen die Tracking Difference.
Rechenbeispiel: 0,2 % gegen 1,5 % Kosten
Eigene Rechnung, keine Prognose und keine Renditeaussage. Annahmen: einmalig 10.000 €, 20 Jahre, gleiche Bruttorendite von 6 % pro Jahr (rein illustrativ), Kosten werden jährlich von der Rendite abgezogen, ohne Steuern und ohne weitere Einzahlungen.
| Jährliche Kosten | Rechnung | Endwert nach 20 Jahren |
|---|---|---|
| 0,2 % pro Jahr | 10.000 € × (1,06 − 0,002)20 | ca. 30.883 € |
| 1,5 % pro Jahr | 10.000 € × (1,06 − 0,015)20 | ca. 24.117 € |
| Unterschied | bei identischer Bruttorendite | rund 6.765 € |
Die 6 % sind nur eine Beispielzahl. Das Prinzip gilt für jede andere Annahme: Der Kostenunterschied wird über die Jahre immer größer.
5 Prüffragen statt Produktempfehlung
- Wie hoch ist die TER, und liegt sie im üblichen Bereich für diese Art von ETF (breit gestreut oder Nische)?
- Wie hat sich die Tracking Difference über mehrere Jahre im Vergleich zur TER entwickelt?
- Wie liquide ist der ETF, und wie groß ist der Spread zu meiner üblichen Handelszeit?
- Was kostet mich mein Broker pro Order oder pro Sparplanausführung bei meiner Sparrate?
- Wo finde ich die Zahlen offiziell, zum Beispiel im Basisinformationsblatt (KID) und im Factsheet des Fonds?
Wie die Kostenfrage mit der Wahl zwischen Varianten zusammenhängt, zeigen unsere Beiträge zu thesaurierend oder ausschüttend und zum MSCI World.
Häufige Fragen
Ist die TER das Einzige, was ein ETF kostet?
Nein. Dazu kommen der Spread, die Entgelte deines Brokers und Abweichungen vom Index. Die Tracking Difference zeigt rückblickend, was davon auf Fondsebene angekommen ist.
Soll die Tracking Difference kleiner sein als die TER?
Als grobe Orientierung gilt: Sie sollte gleich oder niedriger als die TER sein. Das ist eine Faustregel, kein Gesetz, und sie schwankt von Jahr zu Jahr.
Lohnt sich ein Sparplan, wenn der Broker pro Ausführung Geld nimmt?
Das kommt auf die Sparrate und das Entgelt an (siehe Beispiel oben: 1,50 € auf 100 € sind 1,5 %). Rechne die Gebühr in Prozent deiner Rate um, dann siehst du sofort, wie stark sie ins Gewicht fällt.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Bildung und ist keine Anlageberatung. Wir nennen bewusst keine konkreten Produkte oder Anbieter. Alle Rechenbeispiele sind vereinfacht und keine Renditeprognose. Angaben ohne Gewähr, Stand 06.11.2026.
Quellen (Stand 06.11.2026)
- Tracking Error und Tracking Difference erklärt (finanzfluss.de)
- Die Tracking Difference als unterschätzter Kostenfaktor (etf.capital)
- Was ist die TER? (aktienrenterechner.de)
- ETF-Kosten im Überblick (zendepot.de)
- Primärquelle für die Kostenangaben: Basisinformationsblatt (KID) eines breiten, weltweit anlegenden Index-ETFs, erstellt am 03.09.2026 (laufende Kosten 0,20 % p. a., Transaktionskosten 0,00 % p. a., keine Ein- oder Ausstiegskosten).
