Stand: 02.10.2026. Das Gesetz ist beschlossen und im Bundesgesetzblatt verkündet. Einzelheiten der Produkte stehen aber erst mit den Anbietern fest. Dieser Beitrag ist Bildung, keine Anlageberatung.
Riester war dir immer zu kompliziert und zu teuer? Du bist nicht allein. Ab dem 1. Januar 2027 startet in Deutschland ein neues, staatlich gefördertes Vorsorgeprodukt: das Altersvorsorgedepot. Hier bekommst du in Ruhe erklärt, was dahintersteckt, wie die Förderung funktioniert und worauf du achten solltest. Ohne Produktempfehlung, dafür mit Quellen.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein Depot für die private Altersvorsorge, in das du selbst einzahlst und für das der Staat Zulagen drauflegt. Es ist laut Bundesfinanzministerium (BMF) ein renditeorientiertes Produkt ohne Garantien, das heißt, dein Geld kann am Kapitalmarkt zum Beispiel in Aktien und Fonds angelegt werden. Das bedeutet Chancen, aber auch Schwankungen und Verlustrisiken.
Das Gesetz dahinter heißt Altersvorsorgereformgesetz. Der Bundestag hat es am 27.03.2026 beschlossen, der Bundesrat hat am 08.05.2026 zugestimmt, verkündet wurde es im Bundesgesetzblatt Teil I 2026 Nr. 156 (ausgegeben am 29.05.2026). Anbieter dürfen neue Produkte ab dem 01.01.2027 anbieten.
Was ändert sich gegenüber Riester?
Kurz gesagt: einfachere und höhere Förderung. Die alte Riester-Grundzulage lag pauschal bei 175 Euro und war an einen Mindesteigenbeitrag von 4 % des Bruttoeinkommens geknüpft. Beim neuen System ist die Zulage beitragsproportional, und der Mindesteigenbeitrag liegt nur noch bei 120 Euro im Jahr. Bestehende Riester-Verträge genießen laut BMF Bestandsschutz mit der bisherigen Förderung. Ein Wechsel ist möglich, kostet aber etwas.
So funktioniert die Förderung
Grundzulage (Quelle: BMF-FAQ, Stand 02.10.2026):
- 50 Cent pro Euro auf deine Einzahlungen bis 360 Euro im Jahr,
- 25 Cent pro Euro auf weitere Einzahlungen bis 1.440 Euro (also insgesamt bis 1.800 Euro),
- das ergibt maximal 540 Euro Zulage pro Jahr.
Rechenbeispiele (vereinfacht, nur die Zulage, ohne Rendite und Steuern):
| Dein Eigenbeitrag pro Jahr | Grundzulage | Rechenweg |
|---|---|---|
| 120 Euro (Minimum) | 60 Euro | 120 × 50 % |
| 360 Euro (30 Euro im Monat) | 180 Euro | 360 × 50 % |
| 1.800 Euro (150 Euro im Monat) | 540 Euro | 180 Euro + 1.440 × 25 % = 180 + 360 |
Kinderzulage: Für jedes Kind gibt es zusätzlich bis zu 300 Euro pro Jahr. Laut BMF zahlt der Staat dafür 100 % auf deine eingezahlten Euro bis 300 Euro je Kind, unabhängig vom Geburtsjahr des Kindes. Wer 300 Euro im Jahr für ein Kind einzahlt (25 Euro im Monat), bekommt also 300 Euro Zulage. Für die Förderung der Kleinsten gibt es außerdem die Frühstart-Rente, über die du hier mehr erfährst.
Berufseinsteigerbonus: Einmalig 200 Euro, wenn du den Vertrag vor deinem 25. Geburtstag abschließt (Quelle: BMF-FAQ).
Wer ist förderberechtigt? Laut BMF unter anderem Arbeitnehmer, Beamte, Landwirte und Künstler, außerdem selbstständig Erwerbstätige mit bestimmten Einkünften, die eine Steuererklärung abgegeben haben. Ob das auf dich zutrifft, prüfst du am besten mit der offiziellen Beschreibung des BMF oder deinem Steuerberater.
Kosten: der Kostendeckel von 1 %
Bei den Kosten setzt das Gesetz für das Standardprodukt eine Grenze: Die Effektivkosten dürfen maximal 1,0 % pro Jahr betragen (Quelle: BMF-FAQ). Im Regierungsentwurf vom Dezember 2025 waren noch 1,5 % vorgesehen, im verabschiedeten Gesetz ist es strenger.
Was das in Euro bedeutet, an einem einfachen Beispiel: Bei 10.000 Euro Depotwert sind 1,0 % Effektivkosten maximal 100 Euro pro Jahr. Wichtig: Die Grenze gilt für das Standardprodukt. Andere Produktvarianten können anders geregelt sein, das solltest du bei jedem konkreten Angebot ansehen.
Garantie oder keine Garantie?
Das Altersvorsorgedepot selbst ist ohne Garantie. Daneben sind laut BMF Garantieoptionen möglich: Es kann 80 % oder 100 % Beitragserhaltung zum Renteneintritt zugesichert werden. Das ist kein Gut oder Schlecht, sondern ein Zielkonflikt: Mehr Sicherheit kostet in der Regel Renditechance, mehr Renditechance bringt Schwankung. Gegen Ende der Ansparphase soll laut BMF automatisch in ein sichereres Produkt umgeschichtet werden.
Steuern und Auszahlung
- Ansparphase: Kapitalerträge werden laut BMF in der Ansparphase nicht besteuert. Das ist ein Unterschied zum normalen ETF-Depot, bei dem zum Beispiel die Vorabpauschale anfallen kann.
- Auszahlungsphase: Die Leistungen werden nachgelagert mit deinem individuellen Steuersatz besteuert. Wie stark, richtet sich laut BMF danach, inwieweit deine Beiträge steuerlich gefördert wurden.
- Beiträge: Nach der Beschlussempfehlung des Finanzausschusses (Drucksache 21/4996) sind Beiträge als Sonderausgaben bis 1.800 Euro im Jahr abziehbar. Wie sich das bei dir auswirkt, hängt von deiner Steuersituation ab.
- Auszahlungsplan: Er soll bis mindestens zum 85. Lebensjahr laufen können (Drucksache 21/4996, § 93).
Für wen lohnt sich ein Blick darauf? Fünf Fragen an dich
Eine Empfehlung kann und will dieser Beitrag nicht geben. Diese Entscheidungsfragen helfen dir aber, dich zu sortieren:
- Förderberechtigung: Gehörst du zum geförderten Personenkreis (siehe oben)?
- Horizont: Wie lange ist es bis zur Rente? Je länger, desto mehr Zeit für Zulagen und Kapitalmarkt.
- Flexibilität: Bist du bereit, das Geld bis zur Rente gebunden zu lassen? Das Depot ist zweckgebunden.
- Kinder: Hast du Kinder? Die Kinderzulage kann den Unterschied machen.
- Kosten und Vergleich: Welche Gesamtkosten hat das konkrete Angebot, und wie schneidet es im Vergleich zu einem frei verfügbaren ETF-Depot ab? Dort bleibst du flexibel, zahlst aber ggf. Steuern auf Erträge und bekommst keine Zulagen.
Wenn du früh anfängst, wirkt vor allem die Zeit: Warum das so ist, liest du in unserem Beitrag Warum früher Vermögensaufbau große Vorteile hat.
Fazit
Das Altersvorsorgedepot ist ein spannender Neustart nach Riester: einfachere Förderung, ein Kostendeckel von 1 % beim Standardprodukt und kein Zwang zur Garantie. Gleichzeitig gilt: Es ist ein zweckgebundenes Produkt mit nachgelagerter Besteuerung, und die konkreten Angebote gibt es erst ab 2027. Nimm dir Zeit, rechne mit deinen Zahlen und vergleiche in Ruhe.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 02.10.2026. Wir nennen bewusst keine Anbieter oder Produkte.
Quellen (Stand 02.10.2026)
- Bundesfinanzministerium: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge (Primärquelle für Zulagen, Kinderzulage, Bonus, Mindesteigenbeitrag, Kostendeckel, Garantie, Steuern)
- Bundesgesetzblatt Teil I 2026 Nr. 156, ausgegeben 29.05.2026 (Altersvorsorgereformgesetz)
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/4996 (Beschlussempfehlung Finanzausschuss)
- Vorsorgedepot-Lotse: Was ändert sich gegenüber dem Entwurf (Kostendeckel 1,5 % auf 1,0 %) (Sekundärquelle)
