Stand: 06.10.2026. Dieser Beitrag ist Bildung, keine Anlageberatung.
Bevor du an ETFs, Sparpläne oder Rendite denkst, kommt ein unspektakulärer Schritt: der Notgroschen. Er sorgt dafür, dass eine kaputte Waschmaschine, eine hohe Nachzahlung oder ein paar Monate ohne Einkommen nicht gleich dein ganzes Vorhaben kippen. Was zu dir passt, entscheidest du selbst.
Was ist ein Notgroschen?
Der Notgroschen ist eine Rücklage für Unvorhergesehenes. Er ist nicht zum Investieren gedacht, sondern zum Ausgeben, wenn es wirklich nötig ist. Deshalb zählt hier nicht die Rendite, sondern zwei andere Dinge: Das Geld muss jederzeit verfügbar sein, und sein Wert soll nicht schwanken.
Warum erst der Notgroschen und dann der ETF-Sparplan?
Der Wert eines ETFs schwankt mit dem Markt, ein Verlust ist möglich. Wenn genau dann das Auto kaputtgeht oder dein Einkommen wegfällt, musst du vielleicht zu einem schlechten Zeitpunkt verkaufen. Mit einer Rücklage auf dem Konto kannst du Schwankungen aussitzen, statt sie als Verlust festzuschreiben. Warum es sich trotzdem lohnt, danach früh mit dem Investieren anzufangen, liest du im Beitrag Warum früher Vermögensaufbau große Vorteile hat.
Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Eine feste Zahl für alle gibt es nicht. Als Faustregel nennt die Verbraucherzentrale einen Puffer von zwei bis drei Monatsgehältern (Stand 12.02.2026). Andere Ratgeber sprechen von drei bis sechs Monatsausgaben, bei Selbstständigen eher mehr, weil das Einkommen schwankt. Das sind Orientierungswerte, keine Pflicht.
So rechnest du dir deinen Wert aus: Monatliche Ausgaben x Anzahl der Monate = Rücklage.
Ein Beispiel mit angenommenen Zahlen: Deine Fixkosten und der normale Lebensunterhalt liegen bei 2.000 Euro im Monat.
| Monate | Rechnung | Rücklage |
|---|---|---|
| 3 | 2.000 Euro x 3 | 6.000 Euro |
| 6 | 2.000 Euro x 6 | 12.000 Euro |
Was passt, hängt von deiner Lage ab: Wie sicher ist dein Job? Hast du Kinder oder Kredite? Gibt es ein zweites Einkommen im Haushalt? Je unsicherer die Lage, desto eher wirst du am oberen Ende landen. Und: Du musst nicht sofort alles zusammen haben. Ein erster Puffer von einem Monat ist besser als keiner.
Wo kann der Notgroschen liegen?
Die Verbraucherzentrale empfiehlt ein Tagesgeldkonto (Stand 12.02.2026). Der Grund: Du kommst jederzeit ohne Kündigungsfrist ans Geld und der Betrag schwankt nicht. Auf dem Girokonto ist die Versuchung größer, das Geld doch auszugeben; ein eigenes Konto trennt die Rücklage vom Alltag. Wichtig ist der Blick auf die Bedingungen: Sind die Zinsen dauerhaft garantiert oder nur für Neukunden? Gibt es Kosten? Konkrete Anbieter nennen wir hier bewusst nicht.
Gut zu wissen: Für Bankguthaben gilt die gesetzliche Einlagensicherung. Der Entschädigungsanspruch ist grundsätzlich auf 100.000 Euro pro Kunde und Bank begrenzt (Bundesfinanzministerium; Rechtsgrundlage Einlagensicherungsgesetz). Für einen Notgroschen in üblicher Größe ist das normalerweise weit genug entfernt.
Was ist mit Zinsen und Steuern?
Auf Tagesgeld bekommst du Zinsen, und die sind Kapitalerträge. Pro Person sind Kapitalerträge bis 1.000 Euro im Jahr steuerfrei (Sparerpauschbetrag), bei zusammenveranlagten Ehepaaren bis 2.000 Euro (§ 20 Abs. 9 EStG). Damit er bei deiner Bank wirkt, brauchst du einen Freistellungsauftrag; ohne ihn behält die Bank Abgeltungsteuer ein (insgesamt 26,375 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag, bei Kirchensteuerpflicht etwas mehr).
Ein reines Rechenbeispiel mit angenommenem Zinssatz, nicht mit einem aktuellen Angebot: 6.000 Euro bei 2 Prozent Zinsen im Jahr bringen 120 Euro. Das liegt weit unter 1.000 Euro, mit Freistellungsauftrag fällt darauf keine Steuer an. Beachte, dass der Freibetrag auch von anderen Kapitalerträgen aufgebraucht werden kann, zum Beispiel von der Vorabpauschale bei ETFs.
Wie hängen Zinsen und EZB zusammen?
Die Zinsen auf Tagesgeld orientieren sich grob am Zinsumfeld, das die Europäische Zentralbank mitprägt. Der Einlagesatz der EZB liegt seit dem 16.09.2026 bei 2,50 Prozent (EZB, Stand 06.10.2026). Das ist ein Leitzins, kein Tagesgeldzins: Was deine Bank zahlt, legt sie selbst fest. Wie Zinsentscheidungen Sparer betreffen, erklären wir am Beispiel des EZB-Zinsentscheids.
Wann ist der Notgroschen angefasst?
Halte die Regel einfach: nur bei echten, unerwarteten Ausgaben, die du nicht aus dem laufenden Budget zahlen kannst. Urlaub, neues Handy oder ein Schnäppchen gehören nicht dazu. Hast du ihn genutzt, fülle ihn wieder auf, bevor du die Sparrate in den ETF erhöhst.
Häufige Fragen
Wie viele Monatsausgaben sollte ein Notgroschen haben?
Als Orientierung nennt die Verbraucherzentrale zwei bis drei Monatsgehälter, andere Ratgeber drei bis sechs Monatsausgaben. Die richtige Höhe hängt von deiner Lage ab, etwa Jobsicherheit, Kindern und Verpflichtungen.
Gehört der Notgroschen aufs Girokonto oder Tagesgeldkonto?
Die Verbraucherzentrale empfiehlt ein Tagesgeldkonto, weil das Geld täglich verfügbar ist und nicht schwankt. Ein getrenntes Konto hilft außerdem, die Rücklage nicht versehentlich auszugeben.
Muss ich den Notgroschen versteuern?
Nicht der Betrag selbst, aber die Zinsen darauf sind Kapitalerträge. Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro bei zusammenveranlagten Ehepaaren) pro Jahr bleiben sie mit Freistellungsauftrag steuerfrei.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Es werden bewusst keine konkreten Produkte oder Anbieter genannt. Alle Beispielzahlen sind angenommen und keine Zinsversprechen. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 06.10.2026.
