Stand: 31.10.2026. Dieser Beitrag ist Bildung, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
Am 29. Oktober 2026 hat die Europäische Zentralbank (EZB) wieder über die Leitzinsen entschieden. Klingt erst mal nach Fachchinesisch, betrifft aber dein Tagesgeld, deinen Kredit und indirekt auch dein ETF-Sparen. Wir gehen es Schritt für Schritt durch, ohne Vorwissen.
Was hat die EZB am 29. Oktober 2026 entschieden?
Der für Sparer wichtigste Zinssatz ist der Einlagesatz (die Verzinsung, die Banken bei der EZB für geparktes Geld bekommen). Er liegt seit dem 16.09.2026 bei 2,50 %. Am 29. Oktober 2026 hat die EZB ihn unverändert bei 2,50 % belassen. Auch die beiden anderen Leitzinsen bleiben gleich: der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 %. Es gab also keine Änderung.
Zur Begründung verwies die EZB auf die weiterhin erhöhte Inflation von zuletzt 3,8 % bei gleichzeitigen Risiken für das Wirtschaftswachstum. Auf einen bestimmten künftigen Zinspfad legt sie sich ausdrücklich nicht fest, sondern entscheidet von Sitzung zu Sitzung. Die nächste reguläre Sitzung ist am 17. Dezember 2026.
Zum Vergleich: Bei der Entscheidung vor einem Jahr war die Ausgangslage eine andere. Was damals galt, kannst du in unserem Beitrag vom Oktober 2025 nachlesen.
Warum macht die EZB das überhaupt?
Die EZB soll die Preise stabil halten, ihr Ziel sind 2 % Inflation im Euroraum. Steigen die Preise zu schnell, kann sie die Zinsen anheben: Kredite werden teurer, die Nachfrage kühlt sich ab, der Preisdruck sinkt. Bei zu niedriger Inflation geht es umgekehrt. Zuletzt lag die Inflation im Euroraum laut Eurostat im September 2026 bei 3,8 % (August: 3,2 %, September 2025: 2,2 %), bestätigt am 16.10.2026. Haupttreiber waren die Energiepreise (+18,8 % zum Vorjahr), die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel lag bei 2,5 %. Damit liegt die Inflation weiter deutlich über dem Ziel von 2 %. Die Schnellschätzung für Oktober veröffentlicht Eurostat am 4. November 2026.
Was bedeutet das für dein Tagesgeld und Festgeld?
Banken orientieren sich bei ihren Sparzinsen am Zinsumfeld, geben Änderungen aber nicht eins zu eins weiter. Bleiben die Leitzinsen stabil, bleiben auch die Angebote für Tagesgeld und Festgeld meist in der Spanne, in der sie gerade liegen. Wichtig: Entscheidend ist der reale Zins, also Sparzins minus Inflation. Liegt die Inflation über dem Sparzins, verliert dein Geld trotz Zinsen an Kaufkraft.
Und die Steuer? Zinsen sind Kapitalerträge. Bis zum Sparerpauschbetrag (1.000 € pro Person, 2.000 € bei Zusammenveranlagung, § 20 Abs. 9 EStG) bleiben sie steuerfrei, wenn du bei deiner Bank einen Freistellungsauftrag eingerichtet hast. Darüber werden 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer fällig (ohne Kirchensteuer 26,375 %). Mehr dazu in unserem Beitrag zum Sparerpauschbetrag und Freistellungsauftrag.
Was bedeutet das für Kredite?
Variable Kredite und neue Baufinanzierungen reagieren meist schneller auf Zinsänderungen als Sparzinsen. Wer gerade eine Anschlussfinanzierung plant, sollte die Entwicklung im Blick behalten. Das ist keine Empfehlung, sondern ein Hinweis, wo sich Zinsentscheidungen bemerkbar machen können.
Was bedeutet das fürs langfristige ETF-Sparen?
Kurz gesagt: weniger, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Kurzfristig können Zinsentscheidungen die Börsenkurse bewegen, niemand kann das zuverlässig vorhersagen. Wer langfristig nach Plan spart (zum Beispiel über einen Sparplan), setzt auf einen Zeitraum von vielen Jahren, in dem einzelne Zinsentscheidungen nur ein Faktor unter vielen sind. Auch die Vorabpauschale hängt indirekt mit dem Zinsniveau zusammen: Sie wird aus dem Basiszins berechnet, der vom Marktzins abgeleitet wird (mehr dazu in unserem Vorabpauschale-Beitrag).
Die wichtigsten Punkte in Kürze
- Die EZB hat den Einlagesatz am 29.10.2026 unverändert bei 2,50 % gelassen.
- Der Einlagesatz ist der Leitzins, der für Sparer am wichtigsten ist.
- Sparzinsen folgen den Leitzinsen mit Verzögerung und nicht vollständig.
- Entscheidend ist der Realzins (Zins minus Inflation).
- Für langfristiges ETF-Sparen ist eine einzelne Zinsentscheidung meist nicht der Hebel.
- Die nächste EZB-Sitzung ist am 17. Dezember 2026.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Bildung. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung für bestimmte Produkte. Zukünftige Zinsentwicklungen sind nicht vorhersagbar. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 31.10.2026.
